Ish bin ein

Waypoints Like Sharon's Stone,
Kunsthalle Exnergasse,
Wien, 2007

Projektdaten

kuratiert von Andrea Börner und Bärbel Müller

Team

Performer: Charles Ambrose, Louise Deininger, Alain Neche, Israel Ribeiro da Sousa

Photo credits: Patrizia Wiesner


Wie sichtbar sein? – transparadisos „ish bin ein“ (2007) ist gleichermaßen Dekonstruktion, Inszenierung und Performation des gewohnten Bildes vom „Afrikaner in Wien“. Ausgangspunkt ist John F. Kennedys berühmte Solidaritätsbekundung mit der Bevölkerung Berlins „Ich bin ein Berliner“ von 1963 nach dem Mauerbau. „ish bin ein ...“ ist eine „Retrofiktion“, ein utopischer Rückgriff auf ein historisches „Bild“, der gleichzeitig einen suggestiven Akt des Möglichen setzt: transparadiso inszeniert den „Staatsbesuch“ des schwarzen demokratischen US-Präsidentschaftskanditaten Barak Obama und seiner Frau Michelle in Wien, die in einem Cadillac Fleetwood aus den 1960ern, die u.a. auch die Zeit der Black Panther-Bewegung markierten, der Ringstraße entlang fahren. Vor dem geschichtsträchtigen und staatstragenden Ort der Hofburg wird der fiktive und „tatsächlich mögliche“ US-Präsident Barak, der gleichzeitig nicht er ist, aber seine Maske trägt, verkünden: „Ich bin ein Wiener“. „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins“, sagte Kennedy in seiner Rede. Er äußerte dabei nicht nur einen utopischen Wunsch, sondern tat nichts anderes, als diese Utopie mittels eines performativen Sprechaktes ein Stück Wirklichkeit werden zu lassen. Erst durch die Anrufung konstituiert sich das Subjekt; im Fall von „ish bin ein ...“ ist es in Analogie zu Kennedys Rede und abseits von Mythen oder Zuschreibungen politischer Correctness der Schwarze als freier, autonomer Bürger Wiens.
Ines Gebetsroither