Urbane Wunder

Remise Bludenz 2010

konzipiert von transparadiso

mit Michael Ashkin, Community Museum Project, Céline Condorelli, Teddy Cruz, feld72, Osservatorio Urbano/ Lungomare, public works, Jens Emil Sennewald, Allan Siegel, SMAQ, Gerald Straub, transparadiso, Georg Winter

Projektdaten

Remise Bludenz | Galerie allerArt

22.1.-21.2.2010

Publikation im Bucher Verlag, hrsg. von transparadiso

ISBN 978-3-902679-89-5

Team

All utopias are depressing, because they leave no room for chance, for difference, for the “miscellaneous”. Everything has been set in order and order reigns. Behind every utopia there is always some great taxonomic design: a place for each thing and each thing in its place. —Georges Perec, Species of Spaces and Other Stories

Wer glaubt denn heute noch an Wunder? Und was sind “urbane Wunder”? - Diesen Fragen geht transparadiso in der Ausstellung “Urbane Wunder” nach, und hat dazu KünstlerInnen/ UrbanistInnen/ ArchitektInnen/ KulturproduzentInnen aus verschiedenen kulturellen Kontexten eingeladen, ihre persönlichen Erfahrungen und Beispiele von Wundern, die sich im öffentlich-urbanen und gesellschaftspolitischen Raum abspielen, zu zeigen.

Welche Beharrlichkeit, Mut, Frechheit, Verzweiflung und Vertrauen, dass manchmal tatsächlich Wunder passieren, braucht es? Trotz voreiliger Selbstzensur und Pragmatismus aufgrund von Erfahrungswerten und Restriktionen insistieren KünstlerInnen, ArchitektInnen und UrbanistInnen immer noch darauf, das Unmögliche möglich zu machen. Wunder verwundern, am meisten dann, wenn sie am Unerwartetsten sind und gänzlich unmöglich erschei-nen. An Wunder glaubt man nicht und doch geschehen sie manchmal. Oder hat das Glauben und Hoffen doch etwas mit der Möglichkeit, ein Wunder bewirken zu können, zu tun? Ist es nicht manchmal genau jene Energie des Künstlers/ der Künstlerin oder der ArchitektInnen, die sinnlos erscheint, am falschen Fleck, am falschen Ort zur falschen Zeit, die dem Pragmatismus unserer Zeit ein notwendiges, nicht kalku-lierbares Etwas zur Seite stellt, von dem man sich wünschen möge, dass es mehr Präsenz bekäme?

Als “Mutter” der jüngeren urbanen Wunder könnte Park Fiction von Christoph Schäfer/ Cathy Skene gelten. 2005 wird “endlich, nach 10 Jahren Kampf und Wunschproduktion, der Park eröffnet. Tausende kommen zum “DAUERPICKNICK GEGEN GENTRIFIZIERUNG” - und nehmen die Park Fiction Eröffnung zum Anlass, gegen die Latte-Macchiatisierung des Öffentlichen Raums in St. Pauli zu protestieren.” Park Fiction gilt bis heute als Referenzprojekt für unerwarteten Erfolg von Widerstand, der durch seine Beharrlichkeit den Interessen von Investoren entgegenwirkte.

Wunder - und noch dazu Urbane Wunder - sind an keine wissenschaftliche Definition oder theoretische Kategorie, sondern eher an das Staunen gebunden. Die Beiträge zur Ausstellung spiegeln demnach die persönliche Betrachtungsweise und Interpretation von “Urbanem Wunder” der eingeladenen TeilnehmerInnen wieder. Sie umfassen eine Bandbreite von sichtbaren, überraschend gelungenen Wundern im urbanen Raum, bis zu poetisch-literarischen Räumen, die Wunder in der Folge im Realraum eröffnen könnten.

Diese aktuellen Fragestellungen zwischen Kunst und Urbanismus könnten - im Sinne, daß jedem Wunder auch ein sehnsüchtiger Wunsch vorausgeht – auch auf den regionalen Raum übertragen werden.